TU Ilmenau Humbold Bau

Projektdaten



Oskar-Medizinpreis 2021


Hochschule
Universitätsklinikum Jena
Fakultät/Einrichtung
Medizinische Fakultät
Förderkategorie
Stiftungen
Zeitraum
2021 - 2023
Drittmittelgeber
Stiftung Oskar-Helene-Heim
Bewilligungssumme, Auftragssumme
50.000,00 €

Abstract:

Krankhafte Veränderungen der Mikrobiota - die Gesamtheit der im Darm lebenden Mikroorganismen - werden für die Entstehung von Krankheitsschüben bei der Colitis ulcerosa verantwortlich gemacht. An dieser chronischen, meist junge Menschen betreffende Erkrankung sind in Deutschland bis zu 210.000 Patienten erkrankt. Basistherapeutika, aber auch potentiell nebenwirkungsreiche Medikamente, die das Immunsystem im Darm unterdrücken, reichen nicht immer aus, um Kranken-hausaufenthalte bis hin zur Entfernung des Dickdarms zu verhindern. Zwar können durch den Einsatz sogenannter Biologika (Medikamente, die die Immunantwort beim Patienten unterdrücken) wesentliche Forstschritte in der Behandlung gemacht werden; teilweise schwere Nebenwirkungen (Infektionen oder Tumorerkrankungen) und Wirkungsverluste dieser Medikamente führen jedoch zur Beendigung dieser Behandlungen. Somit besteht ein dringender Bedarf für neue, nebenwirkungsarme Therapien. Erste Studien zur Übertragung der Mikrobiota von gesunden Spendern („Stuhltransplantation“) bei Patienten mit Colitis ulcerosa zeigen teilweise Erfolg versprechende, aber auch negative Ergebnisse. Wahrscheinlich hängt der Therapieerfolg von der wiederholten, regelmäßigen Transplantation der Mikrobiota, die von mehreren Spendern gewonnen wurde, ab. Dabei sind trotz sorgfältiger Auswahl der Spender Infektionsrisiken für den Patienten nicht auszuschließen. Um langfristig Patienten mit Colitis ulcerosa behandeln zu können, sind wiederholte Applikationen über Einläufe oder im Rahmen von Endoskopien den Patienten nicht zuzumuten. Wichtig für das geplante Forschungsprojekt ist auch, dass bei Patienten mit einer Clostridioides-difficile-Infektion (CDI) in ersten Versuchen durch die Übertragung eines sterilen, nicht infektiösen Filtrates aufgearbeiteter Stuhlpspenden eine Heilung erreicht werden. In einer kleinen Vorstudie konnte gezeigt werden, dass ähnlich wie bei der CDI auch das Mikrobiomfiltrat bei Colitis ulcerosa eine Besserung auslösen kann. Völlig unklar ist, welche Bestandteile im Stuhlfiltrat hierfür verantwortlich sind. Vor diesem Hintergrund soll in einer dreiarmigen Studie die Wirkung einer wiederholten Übertragung von Mikrobiota oder einem Mikrobiotafiltrat mit einem Scheinpräparat (Kochsalzlösung) verglichen werden. Dabei werden die Prüfstoffe verkapselt und die Patienten nehmen über 3 Monate - unter Verzicht auf Endoskopien – morgens und abends diese Kapseln ein. Parallel zur dieser klinischen Studie soll in einem mit dem Förderpreis finanzierten Forschungsprojekt ein künstliches Darmmodell („Darm on a chip“) aufgebaut werden, in dem Stuhlfiltrat von gesunden Stuhlspendern und Stuhlfiltrat von Patienten mit Colitis ulcerosa untersucht wird. Die Hypothese, dass Spenderfiltrat den „Darm on a chip“ vor zugesetzten schädigenden Botenstoffen der Entzündung (z. B. TNF) schützt, werden Filtrat von Patienten den Darm schädigt. Dann könnten auch Untersuchungen zu einzelnen Bestandteilen, z. B. Gallensäuren, des Stuhlfiltrats durchgeführt werden, um die therapeutisch-wirksamen Substanzen zu identifizieren und damit die Grundlage für die Entwicklung neuer Medikamente in der Behandlung der Colitis ulcerosa zu legen.
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